Im Namen der staatspolitischen Verantwortung

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Die Linke im Glück: Seit der letzten Bundestagswahl kann sich die Partei vor Erfolgsmeldungen nicht retten. Mit ihren TikToks, YouTube-Videos und Talkshowauftritten haben die Genossinnen und Genossen große Erwartungen geweckt – und brechen seither ein Versprechen nach dem anderen. Warum das nicht auffällt? Weil die Linken aus dem Mist, den sie verzapfen, sogleich wieder Kapital* schlagen. Die Strategie der Linken ist perfide. Und brandgefährlich: Wo gehen ihre Wähler hin, wenn sie das Spiel durchschauen?

Mit TikToks zum Erfolg?

Vor zwei Jahren sah es für Die Linke überhaupt nicht rosig aus. In den Umfragen stand sie schon seit längerem bei 3 Prozent, mit der EU-Wahl im Juni folgte die nächste Klatsche. Neben dem BSW sah die Partei alt aus. Niemand hätte gedacht, dass sie je wieder zu alter Kraft findet und in den Umfragen mittlerweile sogar zweistellig ist. Kurzum: Heidi Reichinnek wirkt.

Zumindest hat sie maßgeblichen Anteil am fulminanten Wiederaufstieg der Linkspartei. Mit ihren provokanten TikToks erreicht sie regelmäßig Tausende von Menschen. Insbesondere junge Leute identifizieren sich mit der rebellisch wirkenden Nachwuchspolitikerin.

Im Zweifel für die Mächtigen

Die Linke geriert sich erfolgreich als Anti-Establishment – Partei und sichert sich damit seit Monaten Umfragewerte jenseits der 10 Prozent. Das ist erstaunlich, denn: Die Linke gibt sich zwar unbequem und kämpferisch, biedert sich aber bei jeder Gelegenheit bei den politisch Mächtigen an. Realpolitisch ist die Partei ein Totalausfall.

Die Schleimspur führt zurück bis wenige Wochen nach der letzten Bundestagswahl. Der neue Bundestag war noch nicht mal zusammengekommen, da stimmten die Linken im Bundesrat inbrünstig für unbegrenzte Ausgaben für Waffen und Kriegsgerät. Die Bremer Linke gab sogar unumwunden zu, dass ihr Ja zu Tod und Leid nicht vom versprochenen Sondervermögen für die Infrastruktur abhing.

Dann kam der Mai 2025: Das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik scheitert ein Anwärter bei der Wahl zum Bundeskanzler. Was macht Die Linke? Anstatt zu feiern, dass ein skrupelloser Kapitalist doch nicht mächtigster Mann im Staate wird, ermöglicht sie ihm noch am selben Tag einen zweiten Wahlgang, bei der Friedrich Merz (CDU) dann doch die notwendige Mehrheit erhält. Anarchie pur also.

Meister im Schmierentheater

Doch auch bei wichtigen Abstimmungen im Bundestag weiß der Kanzler Die Linke treu an seiner Seite. Als ein paar aufrührerische Jungunionisten damit drohten, ein grausames Rentenpaket noch ein klein wenig grausamer zu machen, kuschten die Wohlfühlsozialisten sofort. Anstatt kompromisslos für eine vernünftige und solidarische Rentenreform zu kämpfen, ließen die Linken die gesetzliche Zementierung von Armutsrenten zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere linke Grundpfeiler kippen.

Am wohlsten fühlen sich die Linken in der Rolle der lauten Antifaschisten. Ihre wohlfeilen Alerta-Rufe geben sie wahlweise im Anschluss an Fraktionssitzungen oder eingebaut in Bundestagsreden zum besten. In selten erlebter Schizophrenie blenden sie dabei komplett aus, dass es nicht zuletzt das starke Abschneiden der AfD war, das ihnen den Wiedereinzug in den Bundestag gesichert hat. Niemand war angesichts drohender 20 Prozent für die AfD schneller auf der Straße als Die Linke. Doch selbst die gespielte Einigkeit angesichts einer starken AfD täuscht nicht darüber hinweg, dass Die Linke in vielen Punkten völlig uneinig und unglaubwürdig ist.

Zu sehen ist das immer wieder. Erst neulich beim Ostermarsch in Stendal in Sachsen-Anhalt zeigte die Partei ein weiteres Mal, dass sie an der Sache nicht interessiert ist. Weil neben vielen weiteren Rednern auch ein Vertreter des BSW auf die Kanzel steigen sollte, zog der Landesvorstand der Linken kurzerhand seine finanzielle Unterstützung für die wichtigste Friedensdemo im Jahr zurück. Nur weil sich das BSW erbarmte und noch ein paar Euro springen ließ, konnte der Ostermarsch in Stendal überhaupt stattfinden.

Fragwürdige Vorbilder

Solche Beispiele belegen, dass das Hauptgeschäftsmodell der Linken daraus besteht, Ressentiments gegen Andersdenkende zu schüren und bestehende Gräben zu vertiefen. Aber Moment: Kennen wir das nicht woher? Auch die AfD lebt seit Jahren davon, Feindbilder künstlich am Leben zu erhalten.

Die Masche der Linken erinnert immer stärker an den Satz, den angeblich mal ein ehemaliger Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion vom Stapel gelassen hat: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“ Dass die Linke diesem Motto in nichts nachsteht, beweist sie immer wieder, wenn sie zwar Entscheidungen mitträgt, die sich als fatal fürs Land erweisen, sich danach aber lauthals darüber beklagt.

Heuchelei mit Methode

Dieser Politikstil der wohl dosierten Grausamkeit tritt bei der Linken immer offener zutage. Insgeheim freute sich die Parteispitze vielleicht sogar darüber, die Rentenpläne der Jungen Union abgewendet zu haben, gleichzeitig mit dem beschlossenen Rentenpaket aber dennoch eine solide Nörgelgrundlage zu behalten. Im Hintergrund hat Die Linke ohne Frage ordentlich mitverhandelt und sich bei der Abstimmung letzten Endes enthalten.

Auch der Aufschrei über die Zweckentfremdung der Gelder aus dem 2025 beschlossenen Infrastrukturfonds ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Einerseits können sich Linke und Grüne dafür auf die Schulter klopfen, den wahnwitzigen Kriegskrediten ein paar soziale Forderungen ins Schaufenster gestellt zu haben, andererseits kommt ihnen die Veruntreuung der 500 Milliarden wie gerufen: Wieder einmal können sie auf die böse, böse Bundesregierung zeigen und dabei über ihre Beteiligung an unbegrenzter Aufrüstung hinweglügen. Heuchelei hat bei der Linken jedenfalls Konjunktur.

Vergängliche Ressource

Mit ihrer Strategie der Täuschung und Irrlichterei fährt Die Linke momentan richtig gut. Mittlerweile ist die Partei der heimliche Star bei den Wahlumfragen und auch die realen Wahlergebnisse sprechen für sich: Erst vor wenigen Wochen wäre Die Linke fast in den Landtag von Baden-Württemberg eingezogen. Bei der Bundestagswahl Anfang letzten Jahres hat sie sich nahezu verdoppelt. Zu verdanken hat sie solche Ergebnisse insbesondere den Erstwählern, die große Hoffnungen in die oppositionserprobte Partei setzen.

Ob Die Linke dieses Wählerpotenzial halten kann, ist fraglich. Erstwähler sind bekanntlich eine vergängliche Ressource und unberechenbar. Haben sie 2021 noch vorrangig Grüne und FDP in schwindelerregende Höhen katapultiert, waren es nicht ganz vier Jahre später die Linken. Rätselraten macht an dieser Stelle keinen Sinn, aber auch die AfD steht bei den jungen Wählern hoch im Kurs und beherrscht die Klaviatur der sozialen Medien wie kaum eine andere Partei. Umso riskanter ist die unehrliche und auf Enttäuschung ausgerichtete Tour der Linken.

Denn Frustrationspotenzial bietet ihr Geeiere allemal. In vielen zentralen Fragen ist die Partei weiterhin gespalten. Es gibt keine einheitliche Linie zum Krieg in der Ukraine, geschweige denn zum Völkermord in Gaza. Der Angriff auf den Iran wird als notwendiges Übel bestenfalls hingenommen, wenn nicht sogar gefeiert und das klare Nein zu Aufrüstung und Krieg ist inzwischen nichts weiter als Schall und Rauch. Lange wird das nicht mehr gutgehen. Irgendwann wird sich herumsprechen, dass Die Linke das Gegenteil von dem tut, was sie einst versprochen hat – und damit keine Ausnahmeerscheinung unter den Parteien ist.

Die Linke zeigt sich davon indes ungerührt. Für den kurzzeitigen Erfolg nimmt sie in Kauf, eine große Zahl an Wählern vor den Kopf zu stoßen und schlimmstenfalls zu den Demokratiefeinden auf der rechten Seite zu verprellen. Momentan wähnt sie sich erfolgsverwöhnt auf der sicheren Seite, dabei sollte die Partei genau wissen: Der Absturz kommt schnell.

*An diesem Wortwitz saß ich nur fünf Minuten.


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Anfang des Jahres entpuppte sich Die Linke mal wieder als politisches Stehaufmännchen. Nach der Ära Wagenknecht brauchte die Partei etwas Zeit, um wieder auf die Beine zu kommen. Günstige Rahmenbedingungen taten ihr Übriges, um die Partei wieder ins Gespräch zu bringen. Das momentane Umfragehoch ist jedoch mit Vorsicht zu genießen: Die Saat der Enttäuschung hat die Partei längst gesetzt.

Unverhofft kommt oft: Mit fast 9 Prozent der Zweitstimmen gelang der Linken bei der letzten Bundestagswahl, was lange völlig abwegig schien. Die selbsternannten Sozialisten waren zurück auf dem politischen Parkett.  Nach einer langen Serie von Wahlniederlagen holte die Partei eines ihrer besten bundesweiten Ergebnisse. Noch gut neun Monate zuvor, bei der EU-Wahl, hatte das keiner für möglich gehalten. Die Linke rutschte damals mit weniger als 3 Prozent unter die politische Relevanzschwelle und zog routiniert lange Gesichter. Es schien, als wären fast alle Parteien mit den vorgezogenen Neuwahlen im Februar überfordert gewesen. Nur Die Linke war bereit. Was also war geschehen?

Sympathisch an die Spitze

In erster Linie machte die Partei etwas, was keiner mehr von ihr gewohnt war: Sie setzte auf sympathisches Spitzenpersonal. Damit ist übrigens nicht Jan van Aken gemeint. Die immer fröhliche Heidi Reichinnek avancierte schnell zur Favoritin unter den Jung- und Erstwählern. Wie keine andere Spitzenkandidatin verstand sie es meisterlich, sich für U30 in Szene zu setzen.

Doch auch eine Heidi Reichinnek hätte krachend scheitern können wie eine Janine Wissler oder eine Carola Rackete. Sie und ihre Partei profitierten von einer völlig anderen Stimmung in der Bevölkerung als noch ein Dreivierteljahr zuvor. Nach dem medial deklarierten Dammbruch der Union saugte sie die Empörung über die Abstimmung zur Einwanderungspolitik so gut auf wie keine andere Partei. Spätestens nach der fragwürdigen Debatte im Bundestag schnellte der magentafarbene Balken bei den Umfragen wieder in die Höhe.

Apropos Umfragen: Natürlich kam der Linken auch eine bevorzugte Behandlung der Umfragehäuser zugute. Denn noch nie ist es einer Partei zuvor gelungen, sich in wenigen Wochen zu verdoppeln – Neuwahl hin oder her. Auch NGOs wie Campact zeigten sich gegenüber den Linken ausgesprochen wohlwollend und vom Medienskandal beim ZDF-Schlagabtausch, wo nur Linke und Grüne Applaus bekamen, brauchen wir gar nicht erst zu sprechen.

Und wie so oft trifft auch dieses Mal zu: Die anderen waren schuld. So gab es teils schwerwiegende strategische Fehler bei der politischen Konkurrenz, allen voran Grüne und BSW, die bei ihren jeweiligen Wählergruppen Vertrauen verspielten. Die einen, weil sie sich plötzlich mehr für Krieg als für Jugendliche interessierten, die anderen wegen Katja Wolf.

Alles beim Alten

Woran der neuerliche Anflug von Erfolg der Partei definitiv nicht herrührte: von deren Inhalten. Denn programmatisch hatte sich Die Linke seit dem EU-Debakel im Juni 2024 kaum verändert. Die Abspaltung von Wagenknecht und Getreuen hatte dem woken Parteiflügel in der Linken schon im Herbst 2023 freie Bahn verschafft und trotzdem dauerte es bis zur Bundestagswahl, dass die Partei an alte Erfolge anknüpfen konnte.

Auch wenn aktuelle Umfragen anderes suggerieren: Ohne einen erneuten Strategiewechsel wird die Partei den Höhenflug nicht lange beibehalten können. Denn schon einige Monate nach der Bundestagswahl hat ihre Realpolitik den woken Etikettenschwindel längst enttarnt. Das ging schon unmittelbar nach der Wahl los. In einem ungeheuerlichen und beispiellosen Prozedere drückte der Bundestag ein unbeziffertes Schuldenpaket für Waffen und Aufrüstung durch. Dazu berief die neue Mehrheit aus Union und SPD flugs den alten Bundestag ein, weil ihnen die Mehrheiten im gerade zusammengewählten nicht passten. Die Linke hätte hier einen entscheidenden Unterschied machen können. Sie nutzte die Chance, die Konstituierung des neuen Bundestags zu erzwingen nicht, weil sie die AfD mehr hasst als sie die Demokratie liebt.

Das unwürdige Schauspiel war damit aber noch nicht zu Ende. Obwohl es auf ihre Stimmen überhaupt nicht mehr ankam, stimmten die Linken aus Mecklenburg-Vorpommern und Bremen im Bundesrat für diese unsäglichen Kriegskredite. Die in Aussicht gestellten 500 Milliarden Euro für Soziales und Infrastruktur nutzten sie nur zu gerne als Feigenblatt ihrer endgültigen Abkehr von einer konsequenten Friedenspolitik.

Ungeahnter Zuwachs

Gewohnt regierungsgeil zeigte sich die Partei dann auch in den Folgemonaten. Zunächst ebnete sie Friedrich Merz (CDU) den Weg ins Kanzleramt, indem sie einem unverzüglichen zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler zustimmte. Aber auch die Äußerungen der Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner zum Renteneintrittsalter sind ein nahezu obszön anmutendes Anbiedern an Rot-Rot-Grün.

Der Plan ging bei der Bundestagswahl 2025 voll auf. Insbesondere die Erstwähler schenkten der Linken das Vertrauen, weil andere Parteien sie nicht ansprachen. Dieser Trend zeichnete sich schon im September 2024 ab, als der komplette Vorstand der grünen Jugend zurücktrat und viele junge Parteimitglieder die Flucht ergriffen. Zur CDU oder zum BSW sind die bestimmt nicht gewechselt.

Vergänglicher Höhenflug

Zu sicher sollte sich Die Linke dennoch nicht sein. Die FDP hat eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich der Wind zwischen zwei Wahlen drehen kann. 2021 lockten die Liberalen noch einen beträchtlichen Teil an Erstwählern an, um keine vier Jahre später in der Versenkung zu verschwinden. Den Linken sei gesagt: Erstwähler sind eine vergängliche Ressource, weil auch sie älter und weiser werden.

Den momentanen Erfolg der Linken sollte man daher ebenso wenig überschätzen wie ihr langes Tief. Es ist ein politisches Naturgesetz: Starke Parteien ziehen mehr Wähler an als schwache. Das gilt zwischen den Wahlen noch mehr als unmittelbar davor. Die Linke sahnt in den Umfragen gerade fantastische zweistellige Werte ab. Zu verdanken hat sie das in erster Linie ihrem starken Abschneiden bei der letzten Bundestagswahl, nicht aber ihrer Realpolitik.

Doch auch die anderen Parteien sind nicht untätig. Sicher werden auch die Grünen schon an Strategien arbeiten, die jungen Wähler wieder zurückzugewinnen. Die Linken haben in den nächsten Jahren ausreichend Gelegenheit zu zeigen, wie nachhaltig ihr neuer Erfolg ist und ob sie den Höhenflug halten können.


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Stimmungsschwankungen

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Stammwähler haben ausgedient. Die Wahl einer bestimmten Partei ist für viele Wähler heute kein politisches Bekenntnis mehr. Die Wählerwanderung steht voll im Trend. Besonders deutlich wird das durch die sprunghaften Gewinne und Verluste von Parteien – Verdopplungen und Halbierungen innerhalb kurzer Zeit sind keine Seltenheit mehr. Was zunächst nach lebendiger Demokratie aussieht, zeugt von zunehmendem Vertrauensverlust der Wähler in die Parteien. Für die Demokratie wird das zunehmend zum Problem.

Unverhofft kommt oft

Totgesagte leben länger. Der Linken ist gelungen, was bis vor wenigen Monaten noch völlig ausgeschlossen schien: der Wiedereinzug in den Bundestag. Mit Heidi Reichinnek an der Spitze blieb es nicht bei einem lauwarmen Revival linker Ideen. Die Partei legte stattdessen ein kometenhaftes Comeback hin. Mit 8,8 Prozent hat sie sich im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 sogar fast verdoppelt.

Profitiert hat die Partei auf den letzten Metern von einer überaus charismatischen Frontfrau und einer medienträchtigen Kampagne gegen Rechtsaußen. Ohne die Empörung über die Migrationspolitik der Union und die Abstimmungen vom 29. und 31. Januar im Bundestag wäre die Linke mitsamt ihren Silberlocken nach der Bundestagswahl untergegangen.

Dabei sind stimmungsabhängige Erfolge von Parteien gar keine Ausnahme. Schon häufig verhalfen kontroverse Debatten oder Bewegungen Parteien zu ungeahnten Wahlerfolgen. Die Klimabewegung von vor rund sechs Jahren befreite die Grünen von der Einstelligkeit, während die Pegida-Demonstrationen und die Flüchtlingskrise das rechte Gedankenschlecht der AfD entfesselten.

Und auch für die Linke ist es das zweite Mal in ihrer Parteigeschichte, dass ihr ein Trend zugutekommt: Kurz nach Einführung der Hartz-Gesetze stieg auch schon vor zwanzig Jahren das Interesse an linker Politik. Das ist trotzdem kein Vergleich zu 2025: Der Wiederaufstieg in dieser Dimension ist bislang einzigartig. In so kurzer Zeit haben sich die Zustimmungswerte keiner Partei je verdoppelt.

Wahlkampf auf Augenhöhe

Seit Jahren bleibt es nicht bei einer Zurschaustellung von Umfragewerten oder Wahlergebnissen einzelner Parteien. Viel interessanter ist die Frage: Wo kommen die Wähler her und wo gehen sie hin? Das Modell der Wählerwanderung fußt darauf, dass immer mehr aussichtsreiche Parteien miteinander konkurrieren.

Währenddessen gleichen sich die Werte großer und kleiner Parteien bei Wahlen immer weiter an. Echte dominante Volkparteien gibt es schon lange nicht mehr. Die einst Starken haben deutlich an Rückhalt verloren und müssen sich heute mit Werten um die 25 Prozent zufriedengeben. Kleinparteien sehen währenddessen ihre Chance und erreichen Traumwerte von 15 Prozent und mehr. Das schlägt sich auch im Wahlkampf nieder: Zweikämpfe gehören der Vergangenheit an. Im Studio fachsimpeln heute mindestens fünf Personen um die Wette.

Stimmungsschwankungen

Der Trend verläuft aber mitnichten linear und auf keinen Fall ausgeglichen. Vor allem die mittelgroßen und kleinen Parteien unterliegen teils heftigen Schwankungen. Das Ausscheiden aus dem Bundestag ist heute nicht mehr zwingend der Todesstoß für eine Partei. Die FDP hat dabei besondere Freude am Rein-Raus – Spiel entdeckt. Während Christian Lindner seine Partei 2017 vor der Bedeutungslosigkeit rettete und zweistellig wieder in den Bundestag führte, hat er auch ihren erneuten Rauswurf acht Jahre später zu verantworten.

Andere Parteien folgen diesem Beispiel. Verdoppelungen und Halbierungen zwischen zwei Wahlen sind keine Seltenheit mehr. Den Grünen liefen bei der letzten EU-Wahl fast die Hälfte ihrer Wähler davon. Die AfD hat sich zwischen 2013 und 2017 dafür nahezu verdreifacht.

Eine Partei geht steil

Das Partei-Hopping liegt also voll im Trend – und das wird zunehmend zum Problem. Auch wenn Wählerwanderungen grundsätzlich ein Signal für eine lebendige und gesunde Demokratie sind, haben die Schwankungen mittlerweile Ausmaße erreicht, die von einem immer größer werdenden Vertrauensverlust in die Parteien zeugen. Das wird besonders dadurch deutlich, wenn Wähler in ideologisch völlig konträre Lager wechseln. Die SPD hat in den letzten Jahren massiv an die AfD verloren und selbst von den Grünen wandern immer wieder Wähler nach Rechtsaußen ab. Dahinter steckt keine politische Verwirrtheit, sondern maßlose Enttäuschung.

Wie hoffnungsvoll viele Wähler auf neue Impulse reagieren, hat in den letzten Monaten das BSW gezeigt. Wie keine Partei zuvor hat sie es geschafft, eine beträchtliche Zahl an Menschen zu mobilisieren und von der AfD zurückzugewinnen. Spätestens mit der Bundestagswahl im Februar endete dieser Traum allerdings. Von der AfD gewann die Wagenknechtpartei nur noch mickrige 60.000 Stimmen – der kleinste Batzen der in den Bundestag eingezogenen Parteien.

Besonders deutlich wird dieses Schwächeln in Thüringen, wo das BSW bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr seinen bislang größten Erfolg feierte. Eine zähe Regierungsbildung, interner Streit und faule Kompromisse verscheuchten viele Wähler sogleich wieder. Von den fast 16 Prozent im September sind bei der Bundestagswahl nur noch 9,4 Prozent übriggeblieben. Das Phänomen BSW steht exemplarisch dafür, wie kurz die Geduld der Wähler mittlerweile ist und wie oft sie schon enttäuscht wurden.

Argumente zweitrangig

Sie haben schlicht genug vom inhaltlichen Einheitsbrei der Parteien. Immer öfter erleben sie, dass sie wählen können, was sie wollen, ohne dass sich nachhaltig etwas für sie verändert. Immer mehr Wähler wenden sich daher Kräften zu, die für einen grundsätzlich anderen Politikstil stehen. Inhalte und Argumente treten dabei in den Hintergrund. In erster Linie wollen die Menschen angesprochen und mitgenommen werden. Dass eine solche Meta-Partei unter Umständen rechtsextrem ist, spielt für viele keine Rolle mehr.

Die etablierten Parteien haben das bis heute nicht verstanden. Sie inszenieren sich nur zu gern als die ärgsten Verfechter der Demokratie, die sie durch ihr eigenes Handeln jedoch abbauen. Durch ihr Wahlverhalten haben die Bürgerinnen und Bürger längst gezeigt, dass sie sich mehr Mitsprache und Verständnis wünschen – und eben das bei den Etablierten nicht mehr finden können. Auch zwanzig weitere Demokratiefördergesetze werden daran nichts ändern.

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