Auf der Schlachtbank des Linksliberalismus

Lesedauer: 9 Minuten

Der Kampf gegen Rechts ist eine schmutzige Schlacht. Kollateralschäden und Blessuren werden dabei gern in Kauf genommen. Dabei übersehen die ärgsten Verfechter viel zu oft, dass es ihren Verfehlungen zu verdanken ist, dass die Rechte überhaupt erst so stark werden konnte. Die Devise ist: Die Rechte verurteilt unseren Weg und allein deshalb muss er der richtige sein. Menschen, die diesen Kurs trotzdem kritisieren, haben in den eigene Reihen nichts mehr zu suchen. Das ist Futter für eine immer wildere rechte Bestie, die durch ideologische Debatten mehr aufgestachelt als gezähmt wird.

Unliebsame Kritik

Mit ihrem neuen Buch Die Selbstgerechten wirbelt Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht jede Menge Staub auf. In ihrer neuesten Veröffentlichung setzt sie sich äußerst kritisch mit dem Weg auseinander, den linke Parteien bereits vor Jahren eingeschlagen haben. Sie spricht von Bevormundung, Belehrung und einer mehr als latenten Selbstgerechtigkeit. Vor allem weist sie auf die zunehmende Entfremdung zwischen linken Parteien einerseits und den Menschen, die solche Parteien einst wählten, andererseits hin. Nicht allen in Wagenknechts Partei gefällt das – wie zu erwarten war.

Denn bereits seit Monaten äußerte sich Wagenknecht stets sehr vage und vorsichtig zu ihrer politischen Zukunft. Dass sie weiterhin als Publizistin tätig sein möchte, daran ließ sie seit ihrem Rückzug von der Fraktionsspitze Anfang 2019 keinen Zweifel. Immer wieder erklärte sie, dass sie nun endlich wieder mehr Zeit hätte zu lesen und zu schreiben. Trotzdem antwortete sie immer ausweichend, sprachen Journalisten sie auf ihre Zukunft in Partei und Fraktion an. Mit ihrem neuen Buch schließt sich dieser Kreis.

Bewusstes Risiko

So ein Buch schreibt sich nämlich nicht von heute auf morgen. Immerhin legt Sahra Wagenknecht auf mehr als 300 Seiten detailliert dar, wo das Problem vieler linken Parteien weltweit liegt. Natürlich wusste sie viele Monate im Voraus, worauf sie sich bei dem Buch einließ. Natürlich kam ihr Verdruss über die Richtung ihrer Partei nicht erst, als das Buch im Handel erhältlich war. Und natürlich war sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass sie das Buch weitere politische Ämter kosten könnte.

In ihrem neuen Buch rechnet Sahra Wagenknecht mit ihrer eigenen Partei ab.

Sie machte es trotzdem. Dafür verdient Sahra Wagenknecht zweifellos Respekt. Diese Achtung genießt sie seit vielen Jahren in der deutschen Bevölkerung. Mancheiner kann sich sogar eine Bundeskanzlerin Sahra Wagenknecht vorstellen. Zumindest verschaffte sie ihrer Partei bei der letzten Bundestagswahl einige Zugewinne. Der prozentuale Anteil der Zweitstimmen für Die Linke stieg 2017 zwar nur leicht, allerdings hatte die Partei mit zwei Konkurrenten mehr zu kämpfen – der wiedereingezogenen FDP und dem Neueinsteiger AfD.

Wagenknechts Partei interessierte diese Zustimmung offenbar wenig. Ungeachtet des enormen Rückhalts, den Sahra Wagenknecht bei den Wählerinnen und Wählern genießt, demontierten die Linken ihre Fraktionschefin Stück für Stück. Irgendwann warf Wagenknecht schließlich das Handtuch und verzichtete auf eine erneute Kandidatur für das Spitzenamt. Die Linke kommt seitdem bei Umfragewerten auf keinen grünen Zweig mehr. Momentan liegen sie bei gerade einmal 7 bis 8 Prozent.

Köder für Rechts

Von dem Zerwürfnis zwischen Wagenknecht und ihrer Partei profitiert keiner so sehr wie die AfD. In der Vergangenheit hatten die Rechtspopulisten die Positionen der Linkenpolitikerin immer wieder vereinnahmt. Erst kürzlich stellte die AfD ein Wahlplakat auf, welches das Konterfei von Sahra Wagenknecht zeigt und ihr scheinheilig rechtgibt. Wagenknecht selbst geht inzwischen rechtlich gegen diese Unverschämtheit vor.

Die Gegner der AfD machen es rechtsaußen aber auch spielend einfach, solche unlauteren Mittel gewinnbringend einzusetzen. Immerhin schwelt in der Linkspartei seit Jahren ein Konflikt um die Richtung der Partei. Längst haben sich viele Parteimitglieder von der einstigen Fraktionschefin distanziert und ihr rechte Tendenzen unterstellt. Vollkommen verblendet haben sie damit jede sachliche Diskussion im Keim erstickt und den Rechten das Feld überlassen. Im Ergebnis konnte die AfD Wagenknechts Position kopieren und mit braunem Gedankengut völlig entstellen.

Hauptsache Spaltung

Das Muster ist bekannt: Die AfD identifiziert einzelne Politikerinnen und Politiker als ernstzunehmende Gefahr, weil diese unkonventionelle Positionen vertreten und sie sogar sachlich begründen können. Weil die Diskussionskultur in Deutschland aber immer weiter verkümmert, scheint für diese Personen kein Platz mehr in ihren Parteien zu sein. Sie werden öffentlich an den Pranger gestellt und geraten wegen ihrer fragwürdigen Positionierungen in Verruf. Letzten Endes können sie sich kaum dagegen wehren, dass die AfD ihre Positionen aufgreift und unter neuer Flagge vermarktet. So ging es nicht nur Sahra Wagenknecht, sondern auch Boris Palmer in Tübingen.

Das Ziel ist völlig klar: Die Rechte will den anderen Parteien die Wähler abspenstig machen. Einerseits hoffen sie darauf, dass tatsächlich Wählerinnen und Wähler auf ihre plumpe Masche reinfallen und bei der nächsten Wahl ihr Kreuzchen neben der AfD machen. Andererseits profitiert sie gerade deshalb davon, weil sie die Wählerschaft der anderen Parteien in zwei Lager spaltet. Die eine Hälfte hält treu zur Partei, die andere kehrt ihr entsetzt den Rücken. Ob diese Menschen dann rechts wählen, ist für die AfD zweitrangig. Hauptsache für die Rechtspopulisten ist, dass die politische Konkurrenz Stimmen verliert und die Polarisierung in der Gesellschaft zunimmt.

Gute Ziele, falsche Debatten

Auf genau diesen Missstand weist Wagenknecht in ihrem neuen Buch hin. Vorstellungen und Ideen, die nicht streng der Linie der Partei folgen, werden abgekanzelt. Den Personen hinter den Ideen wird sogleich Böswilligkeit unterstellt. Fortan stehen sie unter dem Verdacht, die Partei spalten zu wollen oder völlig andere politische Ziele zu verfolgen.

Seit Jahren versuchen viele innerhalb der Partei Die Linke krampfhaft die Grünen zu kopieren. Durch einen sozialen Anstrich versuchen sie, Themen wie Klimakampf und Geschlechtergerechtigkeit eigenes Leben einzuhauchen. Besonders diese beiden Themen sind ausgesprochen wichtig und es ist richtig, dass darüber diskutiert und gerungen wird. Die Stoßrichtung der Debatte ist allerdings grundfalsch und es ist fatal, wenn andere Parteien die Rhetorik der Grünen unreflektiert übernehmen.

Geschlossene Gesellschaft

Die Ansätze der Grünen richten sich nämlich hauptsächlich an ein exklusives Publikum. Ihre Sprache und ihre Forderungen grenzen eher aus als den Eindruck von Gemeinschaft und Solidarität zu vermitteln. Linke Parteien kümmern sich traditionell um die Benachteiligten in einer Gesellschaft. Das kann nicht funktionieren, wenn Forderungen wie Preissteigerungen auf Fleisch und Benzin diese Menschen von vornherein ausschließen.

Auch die Debatte um geschlechterneutrale Sprache inklusive Gendersternchen muss man sich erst einmal leisten können. Für Menschen, denen bereits am 15. das Geld ausgeht, sind solche Fragen bestenfalls zweitrangig. Wirft man ihnen dann noch pauschal vor, rassistisch oder queerfeindlich zu sein, ist die Entfremdung von der Basis perfekt.

Billige Kopien

Traditionell linke Parteien verlieren sich immer mehr in solchen Debatten, die sie von ihrer Stammwählerschaft entfernen. Diese Debatten sind Sache der Grünen und das ist auch gut so. Was mit Parteien passiert, die auf Biegen und Brechen die Konkurrenz imitieren, um Wähler zurückzugewinnen, hat man an der CDU bereits gesehen. In Thüringen beispielsweise zeigte man sich besonders unversöhnlich gegenüber Rot-Rot-Grün und übernahm teilweise sogar die Rhetorik der dort besonders scharfen AfD. Die Wahlergebnisse der letzten Landtagswahl dort sprechen wahrlich Bände. Keine andere Partei verlor so stark wie die CDU. Die Kopie des Originals trieb Wähler eher dorthin als sie zurückzugewinnen.

Ungeachtet dieses politischen Naturgesetzes verfängt sich die politische Linke immer weiter auf dem linksliberalen Irrweg der Grünen. Dabei sind viele Visionen der Grünen absolut unterstützenswert. Es benötigt aber eine starke linke Kraft auf dem Weg dorthin, um weite Teile der Bevölkerung auf diese Reise mitzunehmen. Doch die Signale von angeblich linken Parteien sind seit Jahren eindeutig: Wer unsere Lehren nicht versteht, wer unser Handeln nicht gut findet, der ist dumm und schlecht. Mit Deserteurinnen wie Sahra Wagenknecht wird kurzer Prozess gemacht. Für viele augenscheinlich Linken ist sie inzwischen eine Ikone der Neuen Rechten. Dabei haben gerade diese selbstgerechten Fanatiker vor langer Zeit aufgehört, links zu sein.


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Besonders schwere Fahrlässigkeit

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Wirken die bisher zugelassenen Impfstoffe gegen Corona? Wogegen genau wirken sie? Wie lange wirken sie? Sind Geimpfte ansteckend? Diese Fragen dürfen derzeit in keiner Debatte um die Impfstoffe von AstraZeneca, BioNTech & Co. fehlen. Sie alle eint, dass es unbeantwortete Fragen sind – und dass ihre Beantwortung wohl noch einige Zeit auf sich warten lässt. Verkürzte Testverfahren haben dazu geführt, dass die Skepsis gegen die neuentwickelten Präparate dieses Mal ungewöhnlich groß ist. Währenddessen sprechen sich immer mehr Politiker für Privilegien für Geimpfte aus. Doch das ist der völlig falsche Weg.

Ein Meilenstein?

Am 21. Dezember 2020 war es soweit: Mit dem Wirkstoff von BioNTech und Pfizer wurde der erste Impfstoff gegen Covid-19 in der EU zugelassen. Nach nicht einmal neun Monaten Pandemie war ein Meilenstein im Kampf gegen das Virus erreicht. Wer vom Virus besonders bedroht ist, darf sich seit Ende Dezember impfen lassen. In den vergangenen Monaten erhielten dann immer mehr Wirkstoffe die Zulassung.

Über die Impfstoffe wurde schon lange gesprochen. Die WHO hatte Corona noch nicht einmal zur Pandemie erklärt, da setzten viele ihre Hoffnungen bereits auf einen aussichtsreichen Impfstoff. Doch spätestens seit die Zulassung in die heiße Phase ging, wurde eine Gruppe immer lauter: Zahlreiche Impfskeptiker meldeten Bedenken gegen die Impfstoffe an. Den Wissenschaftlern und Politikern ist es bisher nicht gelungen, diese Kritik zu entkräften.

Infektiologische Frühgeburt

Das können sie auch gar nicht. In seinem Buch Corona Impfstoffe – Rettung oder Risiko? setzt sich der österreichische Biologe Clemens G. Arvay mit ebendieser Skepsis gegenüber den Impfstoffen sehr sachlich und differenziert auseinander. Sein Fazit nach etwa 130 Seiten ist eindeutig: Die Testphasen waren viel zu kurz, um überhaupt verlässliche Aussagen bezüglich der Impfstoffe zu treffen.

In äußerst verständlicher Weise führt der Autor den Lesern vor Augen, was es bedeutet, wenn ein Impfstoff in weniger als einem Jahr entwickelt und zugelassen wird. Immer wieder verweist er dabei auf das Vakzin gegen Mumps, das mit stolzen vier Jahren den bisherigen Weltrekord des am schnellsten entwickelten Impfstoffs hielt. Allerdings handelte es sich bei diesem Wirkstoff um einen konventionellen Impfstoff. Die neuen Corona-Impfstoffe jedoch basieren auf einem Verfahren, das bisher kaum oder noch gar nicht am Menschen zum Einsatz kam.

Arvay ist es daher besonders ein Dorn im Auge, dass das Zulassungsverfahren trotzdem derart gerafft vonstattenging. Selbst wenn es zu unerwünschten Auffälligkeiten kam, so kann man diese aufgrund der äußerst mageren Datenlage unmöglich auf die Wirkstoffe zurückführen. Es kann aber genau so wenig ausgeschlossen werden, ob nicht vielleicht doch der Impfstoff dahintersteckt.

Wider die Vernunft

Der Biologe Arvay geht aber noch einen Schritt weiter. Die niedrige Zahl an Probandinnen und Probanden, der generelle Ausschluss von Risikogruppen aus dem Testverfahren und die Zusammenlegung verschiedener Testphasen lassen keine seriösen Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Präparate zu, von der Wirkdauer ganz zu schweigen. Solange diese offenen Fragen durch ausgiebige und angemessene Forschung nicht zweifelsfrei geklärt sind, verbietet sich jede Debatte über eine Impfpflicht oder über Privilegien für bereits Geimpfte.

Wider die menschliche Vernunft erwägen nun aber immer mehr Politikerinnen und Politiker, über gewisse Vergünstigungen für Geimpfte zumindest zu diskutieren. Jüngst erwog auch Justizministerin Christine Lambrecht, Geimpften bei einer gewissen Wirksamkeit der Impfstoffe entsprechende Lockerungen in Aussicht zu stellen. Anscheinend soll so von den Bedenken gegenüber den Impfstoffen abgelenkt werden.

Ein politisches Armutszeugnis

Wie schwach muss das Vertrauen der Politik in die Vernunft der Menschen sein, wenn sie es nötig hat, solch schwere Geschütze aufzufahren? Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Impfstoffe eine Wirksamkeit von um die 95 Prozent besitzen, dann wäre eine solch aggressive Werbekampagne überhaupt nicht notwendig. Die Menschen würden sich dann in großer Zahl nämlich aus eigenem Antrieb impfen lassen.

Privilegien für Geimpfte hängen den Menschen allerdings eine Karotte vor den Kopf. Eventuell führt das zwar auch zu einer hohen Impfquote, die Debatte um die Impfsicherheit ist damit aber lange nicht beigelegt. Was wäre denn, wenn sich in einigen Jahren doch in großer Zahl Spätfolgen durch die neue Impftechnik einstellten? Der Staat trüge die Verantwortung dafür. Schließlich hat er durch seine Impfprivilegien die Menschen in ihrer Entscheidung maßgeblich beeinflusst.

Sozialer Druck und gesellschaftliche Spaltung

Natürlich ist es bei Spätfolgen immer schwer, die Ursache zu ermitteln. Und wenn sich fast alle Menschen impfen lassen, wird sich ein Kausalzusammenhang auch nur schwer herstellen lassen. Trotzdem ist es eine an Vorsatz grenzende Fahrlässigkeit, wenn Menschen durch die Aussicht auf mehr Freiheiten geködert werden und an einer Impfung kein Weg vorbeiführt, um ein normales soziales Leben zu führen. Selbst wenn die Impfstoffe die Infektionsketten zu fast 100 Prozent unterbrechen würden, wäre eine solche Kampagne nicht vertretbar. Immerhin handelt es sich um neuartige Impfverfahren, die noch nicht ausreichend am Menschen erprobt sind.

Ich bin mir sicher: Versprochene Lockerungen für Geimpfte würden zu einer hohen Impfquote führen. Die meisten werden dem sozialen Druck nicht standhalten können. Wer sehnt sich schließlich nicht danach, endlich mal wieder in ein Restaurant zu gehen oder bei einer zünftigen Shoppingtour gepflegt ein Geschäft nach dem anderen abzuklappern? Die Impfentscheidung wäre aber eine unaufrichtige, weil sie größtenteils auf sozialen Druck zurückzuführen wäre. Viele würden sich widerwillig impfen lassen, einige aus Protest auf die Impfung verzichten. Durch solche Vorgehensweisen spaltet man die Gesellschaft eher, anstatt sie in so schweren Zeiten zu einen.

Testen, testen, testen

Wie zielführender wäre es stattdessen, die Öffnung von Geschäften, von Kneipen und Restaurants und von Einrichtungen des Kulturbetriebs an eine Testpflicht zu koppeln? Nur wer einen negativen Corona-Test vorweisen kann, darf am öffentlichen Leben teilnehmen. Einen solchen Test über sich ergehen zu lassen, ist immerhin jedem zumutbar.

Natürlich haben auch solche Tests eine Fehlerquote, die nicht von der Hand zu weisen ist. Es ließen sich dadurch aber einige Infizierte gezielt isolieren. Nach allem, was wir wissen, lässt sich derzeit nämlich nicht belegen, dass die Impfungen vor einer Ansteckung mit dem Virus schützen. Es ist daher das Gebot der Stunde, das Infektionsgeschehen ohne ein solches Wundermittel unter Kontrolle zu bringen.

Wir brauchen Daten

Auch mit einer Testpflicht wird es zu weiteren Infektionen kommen. Deswegen kann das nicht das Ende der Fahnenstange sein. Mindestens genau so wichtig ist ein massiver Stellenausbau im Gesundheitswesen, sowohl in der medizinischen Versorgung als auch in den Gesundheitsämtern. Gerade durch eine hoffnungslose Unterbesetzung in den Behörden können die Infektionsketten mittlerweile nicht mehr nachverfolgt werden. In der Folge stecken sich auch mehr Menschen an. Kaputtgesparte Krankenhäuser kommen an ihr Limit.

Bis heute ist unklar, wo die meisten Infektionen entstehen. Die meisten Wissenschaftler sind sich zwar einig, dass die meisten Menschen sich drinnen anstecken. Drinnen kann aber in der Schule sein, auf der Arbeit, in Bus und Bahn, im Wohnzimmer oder in einer Höhle. Genau wie bei den Testverfahren zu den Impfstoffen reicht die Datenlage hier nicht aus, um irgendwelche verlässliche Aussagen zu treffen. Es scheint, als wäre die katastrophale Datenlage ein omnipräsentes Problem in der Krise.


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Kommansnala?

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Nervenzusammenbrüche, peinliche Malheure und Schwimmbecken ohne Poolleitern? Was zunächst nach geschlossener Anstalt klingt, ist in Wahrheit ein Spiel, das unzählige von Menschen seit vielen Jahren begeistert. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gibt es in der Welt der Sims Dramen zu erleben, Freundschaften werden geschlossen, Ehen geschieden, es wird gestritten und es wird ordentlich Kohle gescheffelt. Realitätsnahe Elemente im Spiel gehen Hand in Hand mit stellenweise grotesken Lebensläufen der Sims. Der Spielspaß kommt dabei definitiv nicht zu kurz.

Ein Jahrtausendspiel

Im ersten Jahr des Jahrtausends da kam ein Spiel auf den Markt, das alle bisherigen Simulationsspiele blass aussehen ließ. Die Entwickler von Maxis und EA Games hatten sich ein Gameplay ausgedacht, bei dem das echte Leben simuliert werden sollte – zumindest teilweise. Mit Die Sims gelang den Spielemachern vor etwas mehr als zwanzig Jahren ein Spielerfolg, der sich gerne auch mit Hypes wie Pokémon und Mario Kart messen kann. Die 3D-Avatare erfreuen weiterhin unzählige Menschen weltweit. Auf zig YouTube-Kanälen geben Nutzerinnen und Nutzer ihre Abenteuer aus der Welt der Sims zum besten – ob aus nostalgischen Gründen, als Ausdruck einer Sucht oder weil sie es einfach können.

Vielleicht kommt es mancheinem seltsam vor, dass es tatsächlich erwachsene Menschen gibt, die sich nach wie vor am Spiel Die Sims erfreuen. So obskur ist das aber gar nicht: Immerhin gibt es auch gestandene Menschen, die noch immer feuchte Augen bekommen, wenn sie eine Modelleisenbahn sehen, eine Carrera-Bahn oder schlicht den Controller einer PlayStation.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Doch was macht die Sims nun so einzigartig? Wie kann man mit einem Spiel so viel Geld machen, wenn es nichts weiter tut, als das Leben zu simulieren? Es ist die Art und Weise, wie es das tut. Die Sims ist im Grunde ein Spiel, das sich auf die Irrungen und Wirrungen des Lebens fokussiert. Wer einen ganz normalen Sim erstellt, der morgens aufsteht, zur Arbeit geht und abends müde ins Bett fällt, der macht etwas verkehrt.

In Die Sims geht es viel mehr um allerlei erfreuliches und unheilvolles, was einem im Laufe des Lebens so passieren kann. Es geht um Liebe, es geht um Karriere, es passieren Dramen und die Sims können auch sterben. In erster Linie können sie aber etwas erleben, das vielen im echten Leben verwehrt bleibt: den amerikanischen Traum. Jeder Sim hat die Möglichkeit, vom Tellerwäscher zum Millionär aufzusteigen. Wer heute als kleiner Angestellter in einem Wirtschaftskonzern schuftet, der kann schon in wenigen Wochen zum Magnaten aufgestiegen sein.

Auch Zombies dürfen bei Die Sims heiraten.

In diesem Punkt ist Die Sims natürlich völlig unrealistisch. Niemand wohnt in einem abgeranzten Haus mit Mini-Fernseher und verstopfter Toilette und wird zur Belohnung morgens mit dem Helikopter zur Arbeit abgeholt. Die Sims bietet dem Spieler viel eher die Möglichkeit, sich auszutoben und für eine kurze Zeit all das zu haben, was im echten Leben unerreichbar ist. Damit das ganze nicht zu abgehoben wird, sorgen äußerst realistische Elemente dafür, dass das Spiel spielenswert bleibt. Eine eigens für das Spiel entwickelte Sprache amüsiert seit zwei Jahrzehnten die Spielerschaft. Seit Die Sims 2 haben sogar mehrere namhafte Künstler ihre Songs für das Spiel in Sim-Kauderwelsch neu eingesungen.

Spielspaß ohne Ende

Das Erfolgsrezept vieler Spiele besteht darin, dass es in diesen Spielen kein Ende gibt. Immerwährende Quests halten die Spieler bei Laune und sorgen dafür, dass sie gar nicht mehr aufhören wollen zu spielen. Bei Die Sims ist das ähnlich – zumindest fast. Seit der ersten Neuauflage des Spiels aus dem Jahr 2004 ist das Leben der Sims auf Erden begrenzt. Wenn sie zu alt sind, sterben sie einfach. Andererseits lässt sich mit den Nachkommen der Verblichenen noch so manches Abenteuer erleben. Was beim ersten Anlauf also nicht geklappt hat, wird beim zweiten nachgeholt. Auch so kann man Spieler bei der Stange halten.

Schier unzählige Updates und Erweiterungen halten das Gameplay auch über lange Zeit interessant. Durch neue Elemente wird das Spiel im Laufe der Zeit sogar noch realistischer. Mit der passenden Erweiterung können die Sims nicht nur Kohle auf der Arbeit scheffeln, sondern ihren Hobbys frönen, in den Urlaub fahren oder sich ein Haustier zulegen. Dadurch werden dem Spieler weitere Anreize geben, neue Ziele zu erreichen und sich auf so manches Experiment einzulassen.

Jobverlust und Grpßbrände

Anders als bei vielen anderen Spielen ist der Ausgang bei Die Sims völlig offen. In den meisten Spielsituationen gibt es kein festgelegtes Ergebnis. Oftmals spielt der Zufall eine wichtige Rolle. Wenn die Sims zur Arbeit gehen, kommt es mitunter vor, dass sie dort in merkwürdige Situationen geraten. In einem Dialogfeld kann sich der Spieler für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden, wie sein Sim mit der Lage umgehen soll. Bei jeder Option gibt es eine 50-Prozent – Chance, in welche Richtung sich die berufliche Laufbahn des Sims weiterentwickelt. Selbst wenn ein Spieler also mehrmals mit dem gleichen Dialogfeld konfrontiert wird, garantiert Option 1 nicht immer den Erfolg.

Wer kennt ihn nicht – den plötzlichen Nervenzusammenbruch

Es gibt viele weitere unvorhergesehene Dinge, die einem im Spiel begegnen können. Ehe man sich versieht, hat der übereifrige Sim die Küche in Brand gesetzt. Der Brand greift schnell auf weitere Räume des Hauses über und am Ende entschwindet der Hobbykoch widerwillig ins Jenseits. Hat man keine anderen spielbaren Sims in dem Haushalt in Reserve, muss man wohl oder übel von vorne beginnen. Auf das nächste Desaster…

Ein Spiel – viele Spielertypen

Durch den rasanten Fortschritt gerade in der multimedialen Welt der Spiele war es auch für die Macher von Die Sims wichtig, mit den Entwicklungen schrittzuhalten. Sie wollten nicht irgendwann dafür verschrien sein, die Entwickler eines Uralt-Spiels zu sein. Durch regelmäßige Neuauflagen des Kassenschlagers passten sie die Welt der Sims immer wieder an die äußeren Gegebenheiten an. Die Grafik des Ursprungsspiels ist heute wohl kaum mit der seiner Nachfolger vergleichbar. Damit können die Spielemacher immer wieder auch ein jüngeres Publikum für das Spiel begeistern.

Die Sims konnte vor allem deshalb so viele Menschen begeistern, weil es die Bedürfnisse eines weiten Spektrums an Spielern abdeckt. Da wäre der rachsüchtige Voodoospieler, der seine Aggressionen gegen Mitmenschen aus dem echten Leben auf dem Bildschirm auslebt. Flugs fehlt eine Poolleiter, wo sich der verhasste Mathelehrer gerade ins kühle Nass geworfen hat. Auch Frustrationen aus Ehekrisen finden auf diese Weise ein Ventil.

Pragmatisch oder perfektionistisch?

Nicht ganz so kreativ zeigt sich der lieblose Gameplayer, dem es um nichts anderes geht, als möglichst lange und intensiv den Spielspaß zu erleben. Die Wohnungen seiner Sims sind meist äußerst dürftig und funktional eingerichtet. Er kennt alle Cheats und schafft es in einer Nacht, eine Großfamilie zu gründen, die Karriereleiter zu erklimmen und den Nachkommen eine beträchtliche Summe zu hinterlassen.

Dem gegenüber steht der perfektionistische Spieler, der ein Auge für’s Detail hat. Viele Stunden verbringt er damit, seine Sims zu erstellen, ihnen ein luxuriöses Heim zu errichten und sich ihre Lebensgeschichten auszudenken. Wenn das Spiel so richtig losgeht, hat dieser Spielertypus allerdings meist schon die Lust verloren. Diese Art der Spieler sind ein Paradebeispiel dafür, dass die Lust auf das Spiel häufig in Wellen kommt.

Alles in einem

Der Illusionist unter den Sims-Spielern versucht seine Unzulänglichkeiten aus dem echten Leben mit dem Spiel zu vergessen. In der virtuellen Welt der Sims kann er ein gefeierter Star oder ein begehrter Männer- oder Frauenschwarm sein, während er in der Wirklichkeit nichts auf die Reihe bekommt.

Und dann wäre da noch der Themenspieler, der sich auf ein selbst gewähltes Szenario regelrecht eingeschossen hat. Seine Sims verfolgen meist das gleiche Lebensziel, sei es, möglichst luxuriös zu leben, einen Großteil seiner Mitsims in die Kiste zu kriegen, zum mächtigsten Magier oder zur mächtigsten Hexe aufzusteigen oder einfach nur ganz biedermännisch in den eigenen vier Wänden zu leben.

Letztendlich wohnen aber alle diese Spielertypen jedem inne, der das Spiel schon einmal gespielt hat – natürlich in unterschiedlicher Ausprägung. Das Spiel bietet eine solche Fülle an Möglichkeiten, dass der Langzeiterfolg des Spiels wenig verwundert. Mit Die Sims kam vor mehr als zwanzig Jahren ein Spiel auf den Markt, das seine Spieler genau da packt, wo sie sich am wenigsten wehren können: bei der Erfüllung unmöglicher Träume, beim Gefühl, etwas im Griff zu haben und bei der Zähmung des kleinen Voyeurs, der in uns allen steckt.

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