Lesedauer: 7 Minuten
Die Linke im Glück: Seit der letzten Bundestagswahl kann sich die Partei vor Erfolgsmeldungen nicht retten. Mit ihren TikToks, YouTube-Videos und Talkshowauftritten haben die Genossinnen und Genossen große Erwartungen geweckt – und brechen seither ein Versprechen nach dem anderen. Warum das nicht auffällt? Weil die Linken aus dem Mist, den sie verzapfen, sogleich wieder Kapital* schlagen. Die Strategie der Linken ist perfide. Und brandgefährlich: Wo gehen ihre Wähler hin, wenn sie das Spiel durchschauen?
Mit TikToks zum Erfolg?
Vor zwei Jahren sah es für Die Linke überhaupt nicht rosig aus. In den Umfragen stand sie schon seit längerem bei 3 Prozent, mit der EU-Wahl im Juni folgte die nächste Klatsche. Neben dem BSW sah die Partei alt aus. Niemand hätte gedacht, dass sie je wieder zu alter Kraft findet und in den Umfragen mittlerweile sogar zweistellig ist. Kurzum: Heidi Reichinnek wirkt.
Zumindest hat sie maßgeblichen Anteil am fulminanten Wiederaufstieg der Linkspartei. Mit ihren provokanten TikToks erreicht sie regelmäßig Tausende von Menschen. Insbesondere junge Leute identifizieren sich mit der rebellisch wirkenden Nachwuchspolitikerin.
Im Zweifel für die Mächtigen
Die Linke geriert sich erfolgreich als Anti-Establishment – Partei und sichert sich damit seit Monaten Umfragewerte jenseits der 10 Prozent. Das ist erstaunlich, denn: Die Linke gibt sich zwar unbequem und kämpferisch, biedert sich aber bei jeder Gelegenheit bei den politisch Mächtigen an. Realpolitisch ist die Partei ein Totalausfall.
Die Schleimspur führt zurück bis wenige Wochen nach der letzten Bundestagswahl. Der neue Bundestag war noch nicht mal zusammengekommen, da stimmten die Linken im Bundesrat inbrünstig für unbegrenzte Ausgaben für Waffen und Kriegsgerät. Die Bremer Linke gab sogar unumwunden zu, dass ihr Ja zu Tod und Leid nicht vom versprochenen Sondervermögen für die Infrastruktur abhing.
Dann kam der Mai 2025: Das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik scheitert ein Anwärter bei der Wahl zum Bundeskanzler. Was macht Die Linke? Anstatt zu feiern, dass ein skrupelloser Kapitalist doch nicht mächtigster Mann im Staate wird, ermöglicht sie ihm noch am selben Tag einen zweiten Wahlgang, bei der Friedrich Merz (CDU) dann doch die notwendige Mehrheit erhält. Anarchie pur also.
Meister im Schmierentheater
Doch auch bei wichtigen Abstimmungen im Bundestag weiß der Kanzler Die Linke treu an seiner Seite. Als ein paar aufrührerische Jungunionisten damit drohten, ein grausames Rentenpaket noch ein klein wenig grausamer zu machen, kuschten die Wohlfühlsozialisten sofort. Anstatt kompromisslos für eine vernünftige und solidarische Rentenreform zu kämpfen, ließen die Linken die gesetzliche Zementierung von Armutsrenten zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere linke Grundpfeiler kippen.
Am wohlsten fühlen sich die Linken in der Rolle der lauten Antifaschisten. Ihre wohlfeilen Alerta-Rufe geben sie wahlweise im Anschluss an Fraktionssitzungen oder eingebaut in Bundestagsreden zum besten. In selten erlebter Schizophrenie blenden sie dabei komplett aus, dass es nicht zuletzt das starke Abschneiden der AfD war, das ihnen den Wiedereinzug in den Bundestag gesichert hat. Niemand war angesichts drohender 20 Prozent für die AfD schneller auf der Straße als Die Linke. Doch selbst die gespielte Einigkeit angesichts einer starken AfD täuscht nicht darüber hinweg, dass Die Linke in vielen Punkten völlig uneinig und unglaubwürdig ist.
Zu sehen ist das immer wieder. Erst neulich beim Ostermarsch in Stendal in Sachsen-Anhalt zeigte die Partei ein weiteres Mal, dass sie an der Sache nicht interessiert ist. Weil neben vielen weiteren Rednern auch ein Vertreter des BSW auf die Kanzel steigen sollte, zog der Landesvorstand der Linken kurzerhand seine finanzielle Unterstützung für die wichtigste Friedensdemo im Jahr zurück. Nur weil sich das BSW erbarmte und noch ein paar Euro springen ließ, konnte der Ostermarsch in Stendal überhaupt stattfinden.
Fragwürdige Vorbilder
Solche Beispiele belegen, dass das Hauptgeschäftsmodell der Linken daraus besteht, Ressentiments gegen Andersdenkende zu schüren und bestehende Gräben zu vertiefen. Aber Moment: Kennen wir das nicht woher? Auch die AfD lebt seit Jahren davon, Feindbilder künstlich am Leben zu erhalten.
Die Masche der Linken erinnert immer stärker an den Satz, den angeblich mal ein ehemaliger Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion vom Stapel gelassen hat: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.“ Dass die Linke diesem Motto in nichts nachsteht, beweist sie immer wieder, wenn sie zwar Entscheidungen mitträgt, die sich als fatal fürs Land erweisen, sich danach aber lauthals darüber beklagt.
Heuchelei mit Methode
Dieser Politikstil der wohl dosierten Grausamkeit tritt bei der Linken immer offener zutage. Insgeheim freute sich die Parteispitze vielleicht sogar darüber, die Rentenpläne der Jungen Union abgewendet zu haben, gleichzeitig mit dem beschlossenen Rentenpaket aber dennoch eine solide Nörgelgrundlage zu behalten. Im Hintergrund hat Die Linke ohne Frage ordentlich mitverhandelt und sich bei der Abstimmung letzten Endes enthalten.
Auch der Aufschrei über die Zweckentfremdung der Gelder aus dem 2025 beschlossenen Infrastrukturfonds ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Einerseits können sich Linke und Grüne dafür auf die Schulter klopfen, den wahnwitzigen Kriegskrediten ein paar soziale Forderungen ins Schaufenster gestellt zu haben, andererseits kommt ihnen die Veruntreuung der 500 Milliarden wie gerufen: Wieder einmal können sie auf die böse, böse Bundesregierung zeigen und dabei über ihre Beteiligung an unbegrenzter Aufrüstung hinweglügen. Heuchelei hat bei der Linken jedenfalls Konjunktur.
Vergängliche Ressource
Mit ihrer Strategie der Täuschung und Irrlichterei fährt Die Linke momentan richtig gut. Mittlerweile ist die Partei der heimliche Star bei den Wahlumfragen und auch die realen Wahlergebnisse sprechen für sich: Erst vor wenigen Wochen wäre Die Linke fast in den Landtag von Baden-Württemberg eingezogen. Bei der Bundestagswahl Anfang letzten Jahres hat sie sich nahezu verdoppelt. Zu verdanken hat sie solche Ergebnisse insbesondere den Erstwählern, die große Hoffnungen in die oppositionserprobte Partei setzen.
Ob Die Linke dieses Wählerpotenzial halten kann, ist fraglich. Erstwähler sind bekanntlich eine vergängliche Ressource und unberechenbar. Haben sie 2021 noch vorrangig Grüne und FDP in schwindelerregende Höhen katapultiert, waren es nicht ganz vier Jahre später die Linken. Rätselraten macht an dieser Stelle keinen Sinn, aber auch die AfD steht bei den jungen Wählern hoch im Kurs und beherrscht die Klaviatur der sozialen Medien wie kaum eine andere Partei. Umso riskanter ist die unehrliche und auf Enttäuschung ausgerichtete Tour der Linken.
Denn Frustrationspotenzial bietet ihr Geeiere allemal. In vielen zentralen Fragen ist die Partei weiterhin gespalten. Es gibt keine einheitliche Linie zum Krieg in der Ukraine, geschweige denn zum Völkermord in Gaza. Der Angriff auf den Iran wird als notwendiges Übel bestenfalls hingenommen, wenn nicht sogar gefeiert und das klare Nein zu Aufrüstung und Krieg ist inzwischen nichts weiter als Schall und Rauch. Lange wird das nicht mehr gutgehen. Irgendwann wird sich herumsprechen, dass Die Linke das Gegenteil von dem tut, was sie einst versprochen hat – und damit keine Ausnahmeerscheinung unter den Parteien ist.
Die Linke zeigt sich davon indes ungerührt. Für den kurzzeitigen Erfolg nimmt sie in Kauf, eine große Zahl an Wählern vor den Kopf zu stoßen und schlimmstenfalls zu den Demokratiefeinden auf der rechten Seite zu verprellen. Momentan wähnt sie sich erfolgsverwöhnt auf der sicheren Seite, dabei sollte die Partei genau wissen: Der Absturz kommt schnell.
*An diesem Wortwitz saß ich nur fünf Minuten.